Die ersten Sonnenstrahlen fielen bereits durch die Jalousien, als ich die Schiebetür unseres Campers öffnete. Vor uns erstreckte sich eine Blumenwiese bis zum Rand eines dichten, grünen Waldes, und nur das Zwitschern der Vögel durchbrach die morgendliche Stille.
Schon lange hatte ich davon geträumt, einmal mit einem Camper unterwegs zu sein. In diesem Sommer wurde dieser Traum endlich Wirklichkeit, und ich durfte die Schwäbische Alb drei Tage lang auf vier Rädern erkunden. Unsere Route führte uns über offene Wiesen, durch tief eingeschnittene Flusstäler und vorbei an Kalksteinfelsen, auf denen Burgen und Schlösser thronen.
Dabei entdeckten wir drei ganz unterschiedliche Teile der Region: die Zollernalb, die historische Stadt Sigmaringen und das Donaubergland.
Über die Schwäbische Alb
Die Schwäbische Alb ist ein Mittelgebirge in Baden-Württemberg. Begrenzt von Donau und Neckar sowie dem Schwarzwald erstreckt sie sich über rund 220 Kilometer von Südwesten nach Nordosten und ist zwischen 40 und 70 Kilometer breit. Besonders markant ist der Albtrauf, die steil abfallende Nordwestkante der Schwäbischen Alb, die vielerorts eindrucksvolle Ausblicke über das Albvorland bietet. Vor etwa 150 Millionen Jahren war die heutige Schwäbische Alb von einem warmen tropischen Meer bedeckt. Aus dessen Ablagerungen entstand im Laufe der Zeit der Kalkstein, der die Landschaft bis heute prägt. Über Millionen von Jahren formten Wind, Wasser und Erosion die charakteristischen Felsen, Täler und Hochflächen. Unter der Oberfläche verbirgt der Kalkstein zudem Tausende Höhlen, unterirdische Wasserläufe und faszinierende Felsformationen.
Seit 2015 ist die Schwäbische Alb als UNESCO Global Geopark ausgezeichnet und umfasst auf rund 6.200 Quadratkilometern nahezu das gesamte Mittelgebirge. In ihrem Herzen liegt das UNESCO-Biosphärengebiet Schwäbische Alb mit einer Fläche von 852,69 km². Höhlen, Fossilien, vulkanische Relikte und außergewöhnliche Gesteinsformationen machen die Region sowohl über als auch unter der Erde besonders spannend – und zahlreiche Wander- und Radwege führen durch diese abwechslungsreiche Landschaft.
Unsere Route
Tag 1: Zollernalb

Die Sonne schien bereits, als wir die Schiebetür unseres Campers öffneten. Vor uns erstreckte sich eine Blumenwiese, die in einen dichten, sattgrünen Wald überging. Am Abend zuvor waren wir in Oberdigisheim angekommen, bereit, am nächsten Morgen unseren ersten vollen Tag in der Zollernalb zu beginnen.
Der Stellplatz selbst ist klein, angenehm unkompliziert und bietet lediglich elf großzügige Stellplätze für Wohnmobile. Besonders schön ist seine Lage: Eingebettet zwischen dem Stausee und dem umliegenden Wald fühlt er sich eher wie ein ruhiger Platz mitten in der Natur als wie ein klassischer Campingplatz an. Von den Stellplätzen sind es nur wenige Schritte bis zum Wasser, wo eine große Liegewiese an warmen Tagen viel Platz zum Entspannen bietet. Da mehrere Wanderwege fast direkt am Stellplatz beginnen und der Stausee unmittelbar vor der Tür liegt, eignet sich der Platz ideal als Ausgangspunkt, um diesen Teil der Zollernalb zu erkunden – ganz ohne den Van noch einmal bewegen zu müssen.
| Wohnmobilstellplatz Stausee Oberdigisheim | |
|---|---|
| Adresse | K7172 Richtung Obernheim, 72469 Meßstetten, Oberdigisheim |
| Preis | 5€/Nacht, bezahlbar mit der Parkster App |
| Ausstattung | Entsorgung für Chemietoiletten, Strom-, Abwasser- und Frischwasseranschluss |
Nach einem entspannten Frühstück vor dem Van und einer heißen Tasse Kaffee in der Morgensonne packten wir unsere Rucksäcke und machten uns zu Fuß auf den Weg. Schon nach wenigen Minuten lag der Stellplatz hinter uns und der Felsquellweg führte hinein in die Wiesen und Wälder der Zollernalb.
| Felsquellweg Oberdigisheim | |
|---|---|
| Dauer | ± 3h |
| Distanz | 9.67 km |
| Höhenmeter | 300 m |
| Start- & Endpunkt | Stauseeparkplatz Meßstetten |
| Koordinaten | N 48° 10′ 14.0124 E 8° 52′ 31.7316 |
| Routentyp | Rundweg |
| Schwierigkeit | Einfach |
Auf etwas mehr als neun Kilometern führt der Weg durch Wacholderheiden und entlang des Albtraufs. Beim Wandern durch die von Wald gesäumten Wiesen wirkte alles ruhig und entschleunigt – zu hören waren nur das Zwitschern der Vögel und das Knirschen des Kieses unter unseren Schuhen. Immer wieder öffnete sich zwischen den Bäumen der Blick über das Tal und auf die verstreuten Ortsteile rund um Meßstetten. Nach etwa drei Stunden führte uns der Weg zurück zu unserem Ausgangspunkt am Stausee. Mit dem Wasser direkt vor uns beendeten wir die Wanderung mit einem Sprung ins kühle Nass und ein paar entspannten Minuten auf der Wiese in der Sonne.
Nachdem wir uns ordentlich Appetit erwandert hatten, machten wir uns auf den Weg zur Traufganghütte Brunnental in Albstadt-Laufen, um dort zu Mittag zu essen. Vom Biergarten aus reicht der Blick über den Albtrauf und die umliegenden Hügel, während auf der Speisekarte vor allem traditionelle schwäbische Gerichte stehen.

Inhaber Tobias Hailfinger legt besonderen Wert auf frische, hochwertige Zutaten, die von regionalen Partnern stammen und das Restaurant eng mit der umliegenden Landwirtschaft und Landschaft verbinden. Auf seine Empfehlung hin entschieden wir uns für das T-Bone-Steak und einen der saisonalen Sommer-Aperitifs.

Neben dem Restaurant und dem Biergarten bietet die Traufganghütte verschiedene Bereiche für Gruppen und private Feiern. Gäste können ein traditionelles Schweizer Fondue in einer Fondue-Hütte genießen, in einer kleinen Grillhütte am Feuer sitzen und gemeinsam grillen oder regionale Spezialitäten in einer umgebauten Skigondel probieren. Auch im Restaurant selbst sorgen viele verspielte Details für eine besondere Atmosphäre: Kuhglocken wurden zu Lampen umfunktioniert und in den Fenstern hängen Brezel-Ornamente. Und während die Erwachsenen in Ruhe essen, können sich die Kinder auf dem Spielplatz austoben.
Nach dem Essen stiegen wir wieder in den Van und fuhren weiter Richtung Süden nach Sigmaringen, wo die Donau und eines der beeindruckendsten Schlösser der Region den nächsten Abschnitt unserer Reise prägen sollten.
Tag 2: Sigmaringen
Sigmaringen liegt am südlichen Rand der Schwäbischen Alb und die Donau fließt direkt durch die historische Altstadt. Über allem erhebt sich das Hohenzollernschloss Sigmaringen, das eindrucksvoll auf einem Kalksteinfelsen thront und von vielen Stellen entlang des Flusses sichtbar ist. Die Stadt selbst entwickelte sich rund um das Schloss und wurde um 1250 offiziell gegründet.

Wir stellten unseren Van auf dem out&back Campingplatz ab, der direkt an der Donau und nur wenige Gehminuten vom Stadtzentrum entfernt liegt.
| out&back Camping Sigmaringen | |
|---|---|
| Adresse | Georg-Zimmerer-Straße 6, 72488 Sigmaringen |
| Preis | 12-20€/Nacht je nach Größe und Ausstattung |
| Ausstattung | Entsorgung für Chemietoiletten, Strom-, Abwasser- und Frischwasseranschluss, Sanitäranlagen |
| Webseite | www.outandback.de |
Am frühen Morgen machten wir uns auf den Weg zum Hohenzollernschloss Sigmaringen. Bei einer Führung oder mit einem Audioguide können Besucher mehr über die Geschichte des Schlosses und der gesamten Region erfahren.

Bereits im Jahr 1077 wurde an dieser Stelle erstmals eine Burg urkundlich erwähnt, Teile der ältesten erhaltenen Bausubstanz stammen aus der Zeit um 1200. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die mittelalterliche Festung zur fürstlichen Residenz der Familie Hohenzollern-Sigmaringen ausgebaut. Nach einem verheerenden Brand im Jahr 1893 wurden große Teile im Stil des Historismus wiederaufgebaut, der dem Schloss bis heute sein romantisches Erscheinungsbild verleiht. Noch heute befindet sich das Schloss im Besitz des Fürstenhauses Hohenzollern und wird teilweise als Wohnsitz genutzt.
Beim Rundgang durch die Prunkräume war besonders bemerkenswert, wie bewohnt das Schloss noch immer wirkt. Porträts, Wandteppiche, Porzellan und jahrhundertealte Möbel füllen die Räume, während tief unter den Fenstern die Donau vorbeifließt.



Nach dem Schlossbesuch zog es uns wieder zurück in die Natur. Der Fürstliche Park Inzigkofen, nur wenige Kilometer westlich von Sigmaringen, ist ein historischer Landschaftspark der Romantik, der sich auf beiden Seiten der Donau erstreckt. Er wurde zwischen 1811 und 1829 für Fürstin Amalie Zephyrine von Hohenzollern-Sigmaringen angelegt, die Inzigkofen zu einem ihrer liebsten Rückzugsorte machte. Nachdem sie in ein ehemaliges Klostergebäude gezogen war, das zu einem kleinen Landsitz umgebaut worden war, ließ sie die umliegende Landschaft in einen Park mit verschlungenen Wegen, Aussichtspunkten, Wäldern und felsigen Passagen verwandeln.
Das Besondere an dem rund 25 Hektar großen Park ist, wie wenig er an einen klassischen, gepflegten Schlossgarten erinnert. Stattdessen bezieht er seinen Charakter direkt aus der Landschaft: Die junge Donau schlängelt sich zwischen steilen Jurakalkfelsen hindurch, während die Wege in Wäldern, Felspassagen und Grotten verschwinden. Die Gestaltung griff diese dramatischen natürlichen Elemente bewusst auf und schuf so jene malerische, scheinbar wilde Landschaft, die für die Romantik so typisch war.

Zu den Highlights zählt die Teufelsbrücke, die die schmale Schlucht Höll überspannt. Der Amalienfelsen ist ein mächtiger Kalksteinfelsen, der direkt an der Donau emporragt. Einer lokalen Legende zufolge soll Fürstin Amalie Zephyrine einst zu Pferd vom Felsen in die Donau gesprungen sein – eine Geschichte, die zwar nachweislich nicht stimmt, aber bis heute mit dem Ort verbunden ist. Beim Erkunden der verschlungenen Wege und Grotten fühlt es sich weniger so an, als würde man durch einen angelegten Park spazieren, sondern vielmehr wie durch ein kleines Stück Wildnis, das sich entlang der Donau verbirgt.



Wir ließen den Tag im Bootshaus Sigmaringen direkt am Donauufer ausklingen. Von der Terrasse aus hatten wir den Blick über den Fluss zurück auf das Schloss, während die Küche saisonale Gerichte mit einer modernen Interpretation regionaler Zutaten serviert. Besonders das Spargelrisotto blieb uns in Erinnerung – cremig, frisch und wie gemacht für den lauen Sommerabend.


Tag 3: Donaubergland
Unsere dritte Nacht verbrachten wir auf dem Campingplatz Buck in Beuron und wachten am nächsten Morgen umgeben von den Kalksteinfelsen des Donauberglands auf. Die Region liegt im Südwesten der Schwäbischen Alb, wo Hochflächen und bewaldete Hügel in das tief eingeschnittene Tal der jungen Donau übergehen.
Der Campingplatz Buck liegt direkt neben dem Kloster Beuron und eignet sich damit ideal als Ausgangspunkt, um das Obere Donautal zu erkunden. Im Café Drahtesel wird außerdem Frühstück angeboten, sodass wir mit Kaffee, frischen Brötchen, Joghurt, Obst und Müsli in den Morgen starteten, bevor es weiter Richtung Donau ging.



| Camping Buck | |
|---|---|
| Adresse | Abteistraße 24, 88631 Beuron |
| Preis | 20€/Nacht |
| Ausstattung | Entsorgung für Chemietoiletten, Strom-, Abwasser- und Frischwasseranschluss, Sanitäranlagen (4 private Badezimmer für Dauergäste verfügbar), WLAN |
| Webseite | www.camping-buck.de |
Gut gestärkt fuhren wir nach Hausen im Tal und tauschten den Van gegen ein Kanu. Von dort paddelten wir rund sieben Kilometer flussabwärts bis nach Thiergarten und folgten dabei der sanft geschwungenen Donau durch einige der eindrucksvollsten Landschaften des Donauberglands. Hier hat sich der Fluss tief in den Kalkstein der Schwäbischen Alb eingeschnitten, während sich die weißen Jurafelsen stellenweise mehr als 200 Meter über dem Tal erheben.


Unterwegs paddelten wir unterhalb der imposanten Hausener Zinnen und der markanten Felsformationen rund um den Schaufelsen vorbei, während hoch über dem Fluss immer wieder Burgruinen zwischen den Bäumen auftauchten. Mit ruhigen Flussabschnitten, bewaldeten Ufern und steil aufragenden Felsen zu beiden Seiten eröffnet eine Kanutour eine ganz neue Perspektive auf den sogenannten „Schwäbischen Grand Canyon“. Für die Strecke bis Thiergarten sollte man etwa zwei bis drei Stunden einplanen, lediglich an der Neumühle muss das Kanu einmal kurz um das Wehr herumgetragen werden.


| Kanufahrt bei Donautal Touristik | |
|---|---|
| Startpunkt | Hausen im Tal |
| Endpunkt | Routenabhängig: Thiergarten, Gutenstein, Dietfurth or Sigmaringen |
| Dauer | 3-9h |
| Distanz | 7-21 km |
| Preis | Kinder unter 15 Jahren: 22€ Erwachsene: 32€ (Sonntag-Freitag), 35€ (Samstag) |
| Saison | Kanufahren auf der Oberen Donau ist stark vom Wasserstand abhängig und daher nicht das ganze Jahr über möglich. Am besten vor der Buchung auf der Webseite prüfen oder kurz anrufen, ob eine Tour aktuell stattfinden kann. |
| Webseite | www.donautal-touristik.de |
Nach mehreren Stunden auf dem Wasser kam eine entspannte Mittagspause gerade recht. Wir kehrten im Gutshof Käppeler ein, einem traditionellen Restaurant inmitten der Landschaft des Oberen Donautals. Auch der Gutshof selbst blickt auf eine lange Geschichte zurück: Er steht auf dem Gelände des ehemaligen Dorfes Weiler, das 1275 erstmals urkundlich erwähnt wurde und noch vor dem Dreißigjährigen Krieg aufgegeben wurde.



Seit 1990 setzt das familiengeführte Restaurant auf ehrliche, regionale Küche. Wir entschieden uns für Forelle und Zwiebelrostbraten mit Schupfnudeln.


Nach dem Mittagessen tauschten wir die Paddel gegen Fahrräder und folgten dem Donau-Radweg von Thiergarten zurück in Richtung Sigmaringen. Über weite Strecken verlief die Route direkt entlang des Flusses, während sich zu beiden Seiten bewaldete Hänge und helle Kalksteinfelsen erhoben. Nachdem wir das Tal am Morgen noch ganz gemächlich vom Wasser aus erlebt hatten, fühlte sich dieselbe Landschaft vom Fahrrad aus völlig anders an – und deutlich schneller.



Unsere letzte Nacht verbrachten wir wieder in der Zollernalb, auf einem Stellplatz, der wunderschön mitten in der Natur liegt. Als die Sonne hinter den umliegenden Feldern verschwand und langsam Ruhe auf dem Platz einkehrte, saßen wir ein letztes Mal vor dem Van und sahen zu, wie die Landschaft in der Dämmerung verschwand. Nach drei ereignisreichen Tagen voller Wandern, Paddeln, Radfahren und Entdecken gab es keinen Ort, an dem wir in diesem Moment lieber gewesen wären.
| Stellplatz an der Pferdeweide | |
|---|---|
| Adresse | Henstetten, hinter Haus 8, 72401 Haigerloch |
| Preis | 18€/Nacht + 8€ pP (5€ für Kinder) |
| Ausstattung | Entsorgung für Chemietoiletten, Strom-, Abwasser- und Frischwasseranschluss, Sanitäranlagen |
| Webseite | www.stellplatz-an-der-pferdeweide.de |
Lohnt sich eine Van-Tour auf der Schwäbischen Alb?
Kurz gesagt: absolut. In nur drei Tagen wachten wir an einem Stausee auf, wanderten durch die Zollernalb, erkundeten ein fürstliches Schloss, paddelten unter den Kalksteinfelsen des Oberen Donautals hindurch und radelten entlang der Donau zurück – und das alles, ohne zwischen den einzelnen Stopps stundenlang unterwegs zu sein.
Genau das macht die Schwäbische Alb so ideal für eine Reise mit dem Campervan: Landschaften und Erlebnisse wechseln ständig, gleichzeitig liegen die einzelnen Ziele nah genug beieinander, um die Region ganz entspannt zu entdecken. Wer einen Roadtrip sucht, der Natur, Outdoor-Abenteuer, Geschichte und ruhige Abende mitten im Grünen miteinander verbindet, sollte die Schwäbische Alb unbedingt mit dem Van erkunden.

Hinweis: Diese Van-Tour fand im Rahmen des „Südenscout“-Projekts des Tourismusverbands Baden-Württemberg statt und wurde von den Tourismusorganisationen Zollernalb, Sigmaringen und Donaubergland unterstützt.